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4. März 2020: Positionspapier zum Kulturentwicklungsplan

Zum Kulturentwicklungsplan 2030 hat unsere Fraktion ein Positionspapier verabschiedet. Diese Positionen sollen in den Kulturentwicklungsplan eingearbeitet werden, der Bestandteil der Bewerbung Hannovers zur Kulturhauptstadt Europas 2025 sein wird.

Positionspapier der SPD-Ratsfraktion zum Kulturentwicklungsplan

Die SPD-Fraktion begrüßt den vorliegenden Entwurf zum KEP als wesentlichen Baustein zur Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas 2025. Sie betont und ergänzt den vorgelegten Entwurf um sozialdemokratische Akzente, die für die Entwicklung der Stadt, unabhängig von der Bewerbung, als wichtig und notwendig angesehen werden.

Kunst und Kultur gehören zum Fundament der Gesellschaft auch in der Landeshauptstadt Hannover. Kultur ist vielfältig, lebendig, dynamisch – und kritische Stimme gleichermaßen. Kultur im weitesten Sinne ist ein Mittel zur Erschließung und Deutung der Welt aber auch Grundlage der Verständigung. Kultur ist deshalb ein bedeutender Bestandteil des individuellen, aber auch des gesellschaftlichen Zusammenlebens in unserer Stadt.

Wir stehen für eine Kultur der Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität – gerade auch im künstlerischen Bereich. Die Kunst braucht alle Freiheiten; denn unsere offene, demokratische Gesellschaft lebt von Kultur.

Der Kulturentwicklungsplan ist die bedeutendste Weichenstellung für die Kultur der Landeshauptstadt Hannover im kommenden Jahrzehnt und ein unverzichtbarer Teil der Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas 2025. Mit diesem Positionspapier verdeutlicht die SPD-Ratsfraktion Hannover ihre Anforderungen an die Kulturentwicklung der kommenden Jahre und setzt dabei die folgenden Schwerpunkte:

  1. Kultur schaffen darf nicht arm machen – für einen verbindlichen Entgeltmindeststandard für Kulturschaffende in Hannover
    Viele Kulturschaffende arbeiten nach wie vor unter prekären Arbeitsbedingungen. Insbesondere die gerechte Bezahlung Kulturschaffender ist ein Aspekt, der in der öffentlichen Kulturförderung bisher zu kurz kommt. Für uns steht fest, dass der Kulturentwicklungsplan die Chance bietet, diesen Missstand anzugehen und durch eine Weiterentwicklung der Kulturförderung zu beheben.
    Die städtische Kulturförderung allein wird diesen Missstand jedoch nicht beheben können. Nur durch ein Zusammenwirken der verschiedenen Ebenen öffentlicher und privater Kulturförderung kann dieses Ziel erreicht werden.
  2. Kultur mit allen muss auch Kultur für alle Zielgruppen bedeuten
    Die Jugendkultur ist ein wesentliches Experimentierfeld und damit ein Motor für die Entwicklung von Kultur. Dieser Kulturbereich sowie seine Entwicklung und Förderung müssen deshalb im Kulturentwicklungsplan eine stärkere Rolle spielen.
    Ebenso ist die Weiterentwicklung der Kulturangebote für Kinder ein Baustein, der nicht nur unter dem Aspekt der kulturellen Bildung betrachtet werden sollte, sondern auch unter dem Aspekt der Ermöglichung gesellschaftlicher Teilhabe.
    Für die Möglichkeit Kultur unabhängig vom Einkommen erfahr- und erlebbar zu machen, haben wir verschiedene Instrumente entwickelt, wie den Freien Freitag in den Museen oder den Hannover-Aktiv-Pass. Eine Weiterentwicklung und Ausweitung solcher Instrumente ist eine wichtige Frage, auf die der Kulturentwicklungsplan Antworten liefern sollte.
    Die im Zuge des demografischen Wandels wachsende Zielgruppe der Senior*innen findet im bisherigen Entwurf zu wenig Beachtung. In Bezug auf die Potentiale für die Freiwilligenarbeit im Kulturbereich ist diese Zielgruppe besonders in den Fokus zu nehmen.
    Grundsätzlich soll sich das Kulturangebot in der Stadt Hannover an alle Menschen unabhängig von Geschlecht, Alter, sozialem Status, Migrationsgeschichte oder Religion wenden. Dennoch gilt es einige Gruppen gezielt anzusprechen, um deren Teilhabe am kulturellen Leben zu verbessern.
  3. Kunst im öffentlichen Raum bedeutet nicht nur Kunst(werke) auf öffentlichen Flächen
    Die Entwicklung von Kunst im öffentlichen Raum bildet zurecht einen Schwerpunkt des Entwurfs für den Kulturentwicklungsplan. Grundsätzlich muss der öffentliche Raum als Ort der Begegnung und des Austauschs und als Potenzial für die Aneignung durch die Stadtgesellschaft in den Blick genommen werden. Hierbei muss neben dem öffentlichen Raum eine Schwerpunktsetzung auf private Flächen, wie zum Beispiel Gärten und Sportflächen, erfolgen, die zudem eine stärkere Beteiligung der Stadtgesellschaft an Kulturentwicklung ermöglicht.
    Unser Verständnis von Kunst im öffentlichen Raum geht über die bildende Kunst an öffentlichen Orten hinaus. So sind auch Film-, Musik- und Theateraufführungen in der Öffentlichkeit Teil der Kunst im öffentlichen Raum und sollten für ein ganzheitliches Verständnis von Kultur im öffentlichen Raum berücksichtigt werden. Auch die Lichtkunst als (temporäre) Kunstform sollte nach diesem Verständnis mit betrachtet werden.
  4. Die Stadt als Ort der Kultur und deren Entwicklung
    Der urbane Raum ist traditionell der Raum für Kultur(entwicklung). Prognosen zufolge werden Städte zukünftig noch stärkere Konzentrationspunkte des öffentlichen Lebens werden. Gesellschaftliche Transformationsprozesse, wie zum Beispiel in den Bereichen Mobilität, Wohnen, Konsum, Vielfalt und Digitalisierung, werden unsere Stadt verändern. Diese Transformationsprozesse werden an Geschwindigkeit zunehmen und uns vor neue, noch nicht gedachte Herausforderungen stellen.
    Eine zentrale Frage wird sein, wie wir dabei unsere Stadt für alle attraktiv halten können, möglichst viele in diesem Prozess mitnehmen und beteiligen können. Als Ort der Beteiligung bieten sich hierbei die Stadtteilkultureinrichtungen an, denn diese leisten wichtige Beiträge zur Förderung demokratischer Prozesse in den Quartieren, zur Beteiligung und Teilhabe. Kultur war und ist immer ein Seismograph für Veränderungen gewesen und trägt zum Verstehen und Selbstverstehen solcher Veränderungsprozesse erheblich bei – in Theater, bildender Kunst, Literatur, Kunst im öffentlichen Raum, aber auch darin, dass sie interkulturelle Verständigungsmöglichkeiten und Ausdrucksmöglichkeiten dafür bietet, wie die Menschen sich in neuen, schnell sich verändernden Situationen erleben. Deshalb war und ist Kulturentwicklung ein zentrales Element sozialdemokratischer Gesellschaftspolitik.
  5. Kulturentwicklung braucht Verbindlichkeit
    Im bisherigen Entwurf des Kulturentwicklungsplans sind zahlreiche
    Initiativen, Ideen und Projekte dargestellt, die die Kulturentwicklung
    Hannovers befördern können. Um transparent zu machen, welche personellen
    und finanziellen Ressourcen für die Realisierung zur Verfügung stehen
    und welche Projekte prioritär behandelt werden, ist es notwendig, eine
    Priorisierung der beschriebenen Projekte vorzunehmen und darzustellen,
    welche Ressourcen von Seiten der Stadt zur Realisierung zur Verfügung
    gestellt werden können. Zudem muss eine zeitliche Planung erfolgen, die
    die Abarbeitung des Kulturentwicklungsplans sowohl für die
    Einwohner*innen als auch für die Kulturschaffenden nachvollziehbar
    macht.


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20 03 03 Positionspapier KEP PDF 423,3 KB

"Vorwärts nach weit" - der Kulturentwicklungsplan 2030 für Hannover

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